Warum Menschen unterschiedlich auf THC reagieren
Gene, Geschlecht, Biochemie, Gesundheit und Toleranz — fünf Gründe, warum derselbe Joint bei verschiedenen Menschen ganz anders ankommt.
Die erfahrenen Cannabis-Konsumenten unter uns kennen das. Du sitzt gemütlich mit Freunden zusammen, lasst einen Joint kreisen. Du fängst gerade an, das Kribbeln des Krauts zu spüren, da benimmt sich einer in der Runde wie ein Idiot, weil er zu “stoned” ist, der nächste wird nach zwei Zügen kreidebleich, und ein dritter kriegt einen unaufhaltsamen Lachanfall. Wie kann es sein, dass der eine nach zwei Zügen völlig breit ist, während der andere den ganzen Tag rauchen kann, als wäre nichts?
Es gibt eine wissenschaftliche Erklärung. In den 1960er-Jahren gab der israelische Chemiker Dr. Rafael Mechoulam — “der Entdecker” von THC — einer Gruppe Probanden 10 mg reines THC-Extrakt und dokumentierte, was passierte. Alle waren beeinflusst, aber alle reagierten anders. Einer wollte einfach entspannen und das Gefühl genießen; ein anderer behauptete, er spüre nichts, konnte aber nicht aufhören zu reden; ein dritter sagte dasselbe, bekam aber alle zehn bis fünfzehn Minuten einen unkontrollierbaren Lachanfall. Eine Probandin bekam eine Panikattacke — sie hatte das Gefühl, ihre psychischen Mauern stürzten ein.
Mechoulam führte dieses Experiment vor rund sechzig Jahren durch. Erst vor relativ kurzer Zeit verstehen wir, warum Menschen so unterschiedlich reagieren. Hier sind fünf Gründe.
Genetik
Deine Gene können beeinflussen, wie du auf Cannabis reagierst. Studien zeigen, dass manche Menschen eine bestimmte Genvariante haben, durch die sie eher ängstliche und gehetzte Gefühle bekommen — oder sogar psychotisch-wirkende Effekte durch Cannabis erleben. Andere Studien zeigen, dass Gene auch bestimmen, wie stark deine kognitiven Funktionen durch Cannabiskonsum beeinflusst werden. Darum hat dein Cannabis-Kumpel wahrscheinlich stärkere Gedächtnisprobleme als du…
Geschlecht
Cannabis wirkt bei Männern und Frauen unterschiedlich. Männer bekommen eher Heißhunger; Frauen sind im Schnitt empfindlicher für das Kraut und erleben mehr eine schmerzlindernde Wirkung. Männer müssen mehr konsumieren, um dieselbe Schmerzlinderung zu erreichen. Die Zeit des Monats? Spielt auch eine Rolle. THC wirkt eng mit Östrogen zusammen, und die Wirkung von THC ist am stärksten, kurz nachdem die Östrogenwerte ihren Höhepunkt erreicht haben und wieder fallen.
Einzigartige Biochemie
Manche Menschen sind einfach empfindlicher für Cannabis als andere. Jeder Mensch hat ein einzigartiges Endocannabinoid-System, und ein paar Faktoren bestimmen, wie dieses System individuell arbeitet: Genetik, Ernährung, Stress, Lebensstil. Endocannabinoide binden an Fettsäuren, vor allem an Omega-3 und Omega-6. Bei einer Ernährung mit wenig dieser Fettsäuren funktioniert dein Endocannabinoid-System weniger optimal — und der Joint kann überraschend gut landen. Funktioniert es dagegen optimal, kann derselbe Joint eine überwältigende Erfahrung sein. Niemand ist gleich; darum bleibt die Erfahrung individuell, auch wenn wir einige allgemeine Wirkungen erwarten können.
Allgemeine Gesundheit
Wenn du fit und gesund bist, ist es herrlich, einen dicken Joint zu rauchen und dann stundenlang auf dem Sofa zu hängen — Musik an, ein bisschen zocken, einen Film schauen. Es gibt aber auch Nutzer, die dank ihres Joints überhaupt am sozialen Leben teilnehmen können, statt von Medikamenten benebelt oder vom Schmerz auf Sofa oder Bett festgenagelt zu sein.
Toleranz
Der letzte Punkt ist klar. Wer viel Cannabis konsumiert, reagiert anders darauf als jemand, der es nicht tut. Je mehr du konsumierst, desto höher deine Toleranz. Dein Körper gewöhnt sich daran, und du wirst weniger empfindlich für die Effekte der grünen Dame. Jemand, der noch nie konsumiert hat, reagiert also ganz anders auf dieselbe Dosis als jemand, der es regelmäßig tut.
Das ist es. Gene, Geschlecht, Biochemie, Gesundheit und Toleranz — sie alle beeinflussen, wie das Kraut landet. Niemand reagiert gleich.