Wissenschaftlich und offen betrachtet

Eine kurze Erklärung zu THC, CBD und dem Entourage-Effekt — und warum diese besondere Pflanze mehr Aufmerksamkeit verdient als Dämonisierung.

2017 kündigte das damalige niederländische Kabinett Pläne an, eine ausgewählte Gruppe von Gemeinden mit der Regulierung / Entkriminalisierung / Legalisierung von Cannabis experimentieren zu lassen. Eine gute Idee, denn die aktuelle Duldungspolitik — Coffeeshops dürfen Cannabis verkaufen, aber nicht einkaufen, und der Anbau ist verboten — entbehrt jeglicher Logik. Verschiedene Modelle wurden diskutiert: Staatscannabis, Social Clubs, Anbaulizenzen. Mehrere Gemeinden signalisierten Bereitschaft, die Anbauer-Rolle zu übernehmen, aber keine Cannabis mit mehr als 15% THC anzubauen — weil es Hinweise gebe, dass stärkere Sorten manchmal zu Psychosen führen könnten, und die Gemeinden auf keinen Fall das Risiko gemeinde-verursachter Psychosen eingehen wollten. “Hinweise”, “manchmal”, “könnten”… (seufz). Echte Fachkenntnis schien schwer zu finden.

Inzwischen läuft in einigen niederländischen Gemeinden ein echtes Cannabis-Experiment. Der Kern der Diskussion hat sich in all den Jahren kaum verändert — der alte Punkt steht also weiter.

Was steckt eigentlich drin?

Ein Fakt: Cannabis enthält mehrere Wirkstoffe, jeder mit eigener Wirkung — die aber auch aufeinander reagieren.

THC (Tetrahydrocannabinol) ist das bekannteste Cannabinoid und ist psychoaktiv — danach suchen Freizeit-Konsumenten. Von THC wirst du stoned. Es wird zu möglichen Effekten auf Tumorwachstum und zur Symptom­linderung bei verschiedenen Erkrankungen geforscht — unter anderem chronische Schmerzen, MS-bedingte Spastik und Glaukom. Die wissenschaftliche Belastbarkeit variiert je nach Indikation, und nicht jede Behauptung im öffentlichen Diskurs ist hart belegt.

CBD (Cannabidiol) ist ein zweites wichtiges Cannabinoid — nicht-psychoaktiv und Gegenstand zahlreicher aktueller Studien. Untersuchungen deuten auf mögliche Wirksamkeit bei Entzündungshemmung, neuropathischen Schmerzen, bestimmten Epilepsieformen (etwa dem Dravet-Syndrom) und Angstsymptomatik hin. CBD-Öle sind inzwischen in jeder Drogerie oder im Naturkostladen erhältlich — auch wenn nicht jede Behauptung auf so einer Flasche gleich gut belegt ist.

Der Entourage-Effekt

Wenn THC und CBD kombiniert werden, passiert etwas Magisches. Es gibt einen bekannten Begriff — den sogenannten Entourage-Effekt — der beschreibt, wie die beiden Cannabinoide einander in ihren Eigenschaften zu beeinflussen scheinen. Reines THC kann bei manchen Konsumenten Angst oder Stress auslösen; in Kombination mit CBD berichten Konsumenten eher von Entspannung und positiven Gefühlen. CBD scheint auch die schmerzlindernden Eigenschaften von THC zu verstärken.

THC und CBD sind nur zwei der vielen Wirkstoffe in Cannabis. Es gibt auch CBC (Cannabichromen), CBG (Cannabigerol) und CBN (Cannabinol) in der Pflanze — alle Teil einer Familie von mehr als hundert Cannabinoiden mit unterschiedlichen Eigenschaften.

Zum Schluss

Es wird Zeit, dass wir diese besondere Pflanze nicht mehr dämonisieren und zur Angstmacherei missbrauchen, sondern mit wissenschaftlichem und offenem Blick anschauen. Wir Menschen benutzen sie seit über 6.000 Jahren — also…